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Holzpilze

Holzpilze kommen an unterschiedlichsten Orten vor, wie an verbautem oder lagerndem Holz, in der Umgebung von Holzlägern, an Dächern und Unterkonstruktionen, an Fenstern, am und im Gebäude, im Freien, im Boden, in Stammnähe usw. Dabei unterscheidet man in holzzerstörende Pilze und holzverfärbende Pilze, wobei dem holzverfärbenden Pilz zumeist der holzzerstörende Pilz nachfolgt. Holzverfärbende Pilze sind keine Holzzerstörer, denn es wird kein Holz abgebaut und die Tragfähigkeit des Holzes bleibt erhalten. Es seien hier nur der Vollständigkeit halber die Bläuepilze, Schimmelpilze und Bakterien als solche holzverfärbenden Pilze genannt.

Die Gesamtheit aller fadenförmigen Zellen eines Pilzes wird Myzel genannt. Die einzelne fadenförmige Zelle eines Pilzes bezeichnet man als Hyphe. Die Verbreitung von Pilzen erfolgt durch Sporen oder vegetativ (Zellteilung).

holzzerstörende Pilze

Die Enzyme des holzzerstörenden Pilzes zersetzen das Holz. Zellulose und Lignin werden abgebaut und damit werden die Holzstruktur, die Holzfestigkeit und die Holzstabilität zerstört. Der Abbau der Holzzellen verursacht Fäulnis, die unterschieden wird in Braunfäule, Weißfäule  und Moderfäule. Auf holzzerstörende Pilze im Boden wird in diesem Gutachten nicht eingegangen, da keine schadensgegenständlicher Bezug besteht.

Braunfäule

Braunfäule ist zu erkennen am Abbau der Zellulose, der Braunfärbung des Holzes, Längs- und Querrissen im Holz, typischem Würfelbruch, schneller und starker Destruktion des Holzes und der Holzkrümmung.

Als holzzerstörende Pilze gelten unter den Erregern von Braunfäule:

  • Echter Hausschwamm (Serpula lacrymans)
  • Brauner Kellerschwamm (Coniophora puteana)
  • Weißer Porenschwamm (Antrodia spp.)
  • Blättlinge (Gloeophyllum spp.)
  • Muschelkrempling (Paxillus panuoides)
  • Fältlingshäute (Leucogyrophana spp.)
  • Eichenwirrling (Daedalea quercina)

Der Echte Hausschwamm (Serpula lacrymans)

Als gefährlichster unter den holzzerstörenden Pilzen gilt der Echte Hausschwamm. Er bildet Oberflächenmycel, Stränge und Fruchtkörper. Seine Oberflächenmycel sind nur selten sichtbar. Daher bleibt der Echte Hausschwamm oftmals lange unerkannt. Er ist vorwiegend in Nadelhölzern zu beobachten. Die Holzfeuchte zu Auskeinem beträgt zwischen 40-60 %; die Holzfeuchte für weiteres Wachstum 10-30 %. Der Echte Hausschwamm entwickelt sich und überlebt optimal bei Temperaturen zwischen 18-22 ºC. Die Oberflächenmycel bedecken organische und auch anorganische Materialien.

Sie breiten sich auf und in verdeckten feuchten Flächen aus und dringen in Spalten, Risse und Zwischenräume ein. Mit seinen meterweiten Strängen transportiert der Echte Hausschwamm das Wasser von der Quelle meist über mehrere Meter weit. Sein Myzel ist zunächst weiß und wattig und später grau und lappig. Fruchtkörper sind faden- oder konsolartig; die Fruchtschicht rostrot. Das Myzel ist leicht ablösbar. Strangmyzel knackt beim Abbrechen im trockenen Zustand. Der Würfelbruch ist von grober Struktur.

Der Braune Kellerschwamm (Coniophora puteana)

Der Braune Kellerschwamm ordnet sich hinter dem Echten Hausschwamm als nächster, aber nicht minder gefährlicher, Holzzerstörer ein. Dabei kommt der Braune Kellerschwamm in allen Ebenen eines Gebäudes und nicht nur im Keller vorkommen. In höheren Geschossen als im Keller ist er meist in Bad- bzw. Leitungsnähe (Kaltwasser) oder undichten Abläufen (Dach, Leckagen, Wasserschäden) vorzufinden. Er ist vorwiegend in Nadelhölzern vorkommend. Die optimale Holzfeuchte beträgt zwischen 30-60 %. Der Braune Kellerschwamm entwickelt sich und überlebt optimal bei Temperaturen zwischen 20-32 ºC.

Der Braune Kellerschwamm bildet kein flächiges Mycel und kann längere Trockenperioden nicht überdauern. Er ist auf eine die Nähe zu einer Wasserquelle begrenzt. An anderen, trocknen Stellen, kann das Vorhandensein des Braunen Kellerschwamms ausgeschlossen werden. Da die Fruchtkörper nicht sehr groß sind, werden sie oft nicht entdeckt. Zu erkennen ist der Fruchtkörper durch die Warzenstruktur an der Oberfläche. Der Braune Kellerschwamm verfügt über anfangs weißes und später dunkles bis schwarzes Myzel. Seine Stränge sind dünn und haarig. Stränge und Fruchtkörper sind schwer zu lösen. Es entsteht feiner Würfelbruch.

Der Weiße Porenschwamm (Antrodia spp.)

Der Weiße Porenschwamm ist einer der vier meistverbreiteten holzzerstörenden Pilze. Er befällt meist Nadelholz von verbautem Holz und benötigt eine hohe, meist weit über Sättigung der Fasern liegende Fechte. Er ist auch in der Lage, Mauern zu durchwachsen. Der Weiße Porenschwamm entwickelt sich und überlebt optimal bei Temperaturen zwischen 25-27 ºC. Seine Stränge sind deutlich zu erkennende Röhren, bis zu 3 mm dick und reinweiß. Der Weiße Porenschwamm ist zu erkennen an dem hellbraunen Würfelbruch. Fruchtkörper sind zunächst weiß Polster, die später korkartig gelb werden.

Der Blättling (Gloeophyllum spp.)

Blättlinge kommen ausschließlich in Nadelholz vor. Sie benötigen eine Holzfeuchte von > 35 % und eine optimale Temperatur von 25-29 ºC. Es handelt sich bei den Blättlingen um Innenfäule ohne Oberflächenmyzel. Fruchtkörper sind meist wie Leisten oder Konsolen geformt, braun und zäh. Blättlinge sind im Gebäudeinneren zumeist an Türen und Fenstern zu beobachten. Ist der Fruchtkörper sichtbar, ist das Holz innen bereits völlig zerstört.

Der Muschelkrempling (Paxillus panuoides)

Als Nassfäuleerreger benötigen Muschelkremplinge eine Feuchte von > 60 %. Die optimale Holzfeuchte beträgt zwischen 30-60 %. Der Muschelkrempling entwickelt sich und überlebt bei Temperaturen zwischen 3-30 ºC (optimal sind 23 ºC) und kommt vornehmlich an Nadelholz vor, kann aber auch an und in Mauerwerk wachsen. Der Muschelkrempling bevorzugt dunkle, sehr feuchte Stellen. Die Fruchkörper ähneln Muscheln. Das Myzel ist erst weiß und wird später gräulich bis hellgelb; später bräunlich. Häufig wird Würfelbruch im Inneren beobachtet.

Fältlingshäute (Leucogyrophana spp.)

Fältlingshäute sind nahe Verwandte der Hausschwämme und werden wegen der gleichförmigen Struktur der auch gerne mit dem Echten Hausschwamm verwechselt. Die bisher drei nachgewiesenen Arten sind die kleine Fältlingshaut, die Kiefern-Fältlingshaut und die Sklerotien-Fältlingshaut. Der Fruchtkörper liegt flach (1-4 mm), ist krustenförmig und meist < 20 cm im Durchmesser. Zunächst bräunlich-orange entwickelt sich der Fruchtkörper farblich in Richtung grau/braun/schwarz. Das Myzel ist locker und weißlich-gelb, später grau/schwarz.

Zumeist wächst der Pilz auf Nadelholz und erzeugt Braunfäule. Bei einer Holzfeuchte von 30-40 % wächst der Pilz und findet sich gerne im Bereich undichter wasserführender Leitungen unter Bädern in Holzbalkendecken oder an Lagerholz in feuchten Kellern. Fältlingshäute be- und durchwachsen auch Mauerwerk.

Eichenwirrling (Daedalea quercina)

Da der Eichenwirrling selten in Gebäuden anzutreffen ist, wird er hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Weißfäule

Weißfäule bauen Lingin und Zellulose der Holzzellwand ab. Die äußere Struktur bleibt zunächst erhalten. Das Holz verliert an Feuchtigkeit und Masse und wird hell bis weiß. Es entstehen kurzfaserige Längsrisse Weißfäule kommt überwiegend in Laubhölzern vor.

Als holzzerstörende Pilze gelten unter den Erregern von Weißfäule:

  • Ausgebreiteter Haussporling (Donkioporia expansa)
  • Sternsetenpilze (Asterostroma spp)
  • Feuerschwämme (Phellinus spp.)
  • Zweifarbiger Harz-Rindenpilz (Resinicium bicolor)
  • Der strahlfüßige Tintling (Coprinus radians)
  • Der Spaltblättling (Schizophyllum commune)
  • Der Zunderschwamm (Fomes fomentarius)

Eine besondere Form der Weißfäule ist die Weißlochfäule mit seinen Vertretern Wurzelschwamm (Heterobasidion annosum) und Kiefernbaumschwamm (Hellinus pina).

Der ausgebreitete Haussporling (Donkioporia expansa)

Der Ausgebreitete Haussporling steht an Dritter Stelle nach dem Echten Hausschwamm und dem Braunen Kellerschwamm unter den vier häufigsten Gebäudepilzen. Er befällt zumeist Eichenholz, ist aber auch an Nadelholz zu finden, und zerstört das Holz mittels Weißfäule.

Das Oberfklächenmycel ist weiß bis ockerbraun. Eine notwendige Holzfeuchte von über 30-60% lässt den Pilz auch bei kurzen Trockenphasen überleben.

Der Pilz breitet sich über mehrere Meter aus und bildet überwiegend mehrschichtig aufwachsende Fruchtkörper. Der Pilz wächst am Holz und an anorganischen Materialien wie Mauerwerk. Er ist zunächst weiß bis hellockerfarben und später gräulich.

Sternsetenpilze (Asterostroma spp)

Sternsetenpilze sind eher seltenere Holzzerstörer am Nadelholz. Sie sind Nassfäuleererger und verursachen Weißfäule. Der Sternsetenpilz kommt nicht nur im Holz sondern auch an und im Mauerwerk vor. Er ist auf feuchte Untergründe und dauerhafte Leckagen angewiesen um zu überleben.

In Gebäuden findet man Sternsetenpilze meist an verbauten Nadelholz nach Wasserschäden.  Zunächst dünne flexible Mycelstränge werden nach und nach braun und mehrere mm dick. Durch seine Ähnlichkeit zum Braunen Kellerschwamm kann es leicht zu Verwechslungen kommen.

Feuerschwämme (Phellinus spp.)

Feuerschwämme sind weit verbreitet. Der Großporige Feuerschwamm, oder auch Zimtbrauner Porenschwamm genannt, wird wegen seiner Ähnlichkeit des Fruchtkörpers auch mit dem ausgebreiteten Hausporling verwechselt.

Fruchtkörper werden < 1 m lang und 1-2 cm dick und länglich flach. Der Fruchtkörper ist porig-krustig und braun bis rötlich-braun. Staunässe, Schlagregen oder erhöhter Tauwasseranfall sind häufige Befallursachen. Eine permanente Wasserzufuhr ist zum Überleben erforderlich.

Zweifarbiger Harz-Rindenpilz (Resinicium bicolor)

Sehr nasses Nadelholz befallender Pilz ohne Befall von anorganischen Materialien. Weiße, oberflächige Stränge sind leicht ablösbar. Die Fruchtkörper sind fest am Untergrund haftend und haben an der Oberfläche Noppen. Zunächst weicher, später harter Fruchtkörper.

Der strahlfüßige Tintling (Coprinus radians)

Der bekannteste Vertreter der Tintlinge ist der strahlfüßige Tintling. Sie wachsen ausschließlich auf Holz. Er hat eine tintenähnliche, schwarze, schmierige Färbung des Hutes nach dem Zerfall. Sein rostbraues Ozonium sitzt fest am Holz. Die zerstörenden Einflüsse sind gering.

Der Spaltblättling (Schizophyllum commune) und der Zunderschwamm (Fomes fomentarius)

Der Spaltblättling und der Zunderschwamm sind vorrangig auf Laubholz im Außenbereich zu beobachten.

Der Wurzelschwamm (Heterobasidion annosum) und der Kiefernbaumschwamm (Hellinus pina)

Der Wurzelschwamm und Kiefernbaumschwamm sind vorrangig auf Nadelholz im Außenbereich zu beobachten.

Moderfäule

Moderfäule ist eine Naßfäule mit sehr kleinem Würfelbruch und schmieriger Oberfläche. Moderfäule gehört zu den Schlauchpilzen (Ascomyceten) und unvollkommenen Pilzen (Deuteromyceten). Der Abbau des Holzes erfolgt schichtenweise durch Abbau von Kohlehydraten der Holzzellwand. Seine Vorkommen sind meist in erdnahen Bereichen oder im Erdreich selbst wegen der erforderlich hohen Holzfeuchte. Fruchtkörper sind selten. Befallenes Holz ist dunkel grau-schwarz verfärbt und reißt beim Abtrocknen auf. Moderfäule kommt bei Nadel- und Laubholz vor.